Klima und Wetter im Bayerischen Wald

Wer kennt ihn nicht, den alten Spruch „Dreiviertel Jahr Winter und Vierteljahr kalt„? Er bezeichnete im Volksmund lange Zeit  das Klima von Bayerisch Sibirien. So wurde der Bayerische Wald, aber auch andere klimatisch weniger bevorzugten Regionen oft bezeichnet.

Volksweisheit urteilt zu pauschal

Der Spruch Dreiviertel Jahr Winter und Vierteljahr kalt ist im gesamten deutschsprachigen Raum verbreitet und keineswegs auf den Bayerischen Wald beschränkt. Beispiele für Regionen, in denen er Anwendung fand und immer noch findet, sind:

  • Bayern: Jachenau, das Allgäu, Oberfränkisches Bergland, die Röhn
  • In Baden-Württemberg: Schwarzwald, der Baar-Kreis, die Schwäbische Alb
  • Der Teutoburger Wald, der Harz, das Erzgebirge

Er stammt aus einer Zeit, in welcher der Großteil der Bevölkerung von der Landwirtschaft lebte. Gebirgsregionen waren aus der Sicht der Landwirte für den Feldbau ungeeignet. So verständlich die Betrachtung aus damaliger Sicht war, so unsinnig und auch undifferenziert erscheint sie aus heutiger Sicht.

Bayerwaldklima: Ein Wintersportparadies mit dem kleinsten Weinbaugebiet Bayerns


Klima Bayerischer Wald auf einer größeren Karte anzeigen

Der Bayerische Wald ist ein differenzierter Naturraum mit vielen Kleinklimazonen. Das beginnt mit der geografischen Höhe, die von 350 m bis hinauf auf knapp 1500 m reicht. Der Niederschlag kommt zumeist von West, bei so genannten Vb-Wetterlagen auch aus Nordost. Die Streichrichtung des Gebirges liegt im 90-Grad-Winkel zu beiden Hauptrichtungen. Da gibt es Staulagen mit extremen Niederschlägen. Diese liegen rund um den Rachel und Arber sowie den Geiskopf im Westen. Die Leelagen reichen von Viechtach bis Regen, denn das so genannte Regental verläuft von Nordwest nach Südost. Damit ist es von Osten wie von Westen von hohen Bergen, die den Niederschlag abhalten, umgeben.

In den leegeschützen Gegenden im Regental sind im Winter nur zwischen 60 (Viechtach) und 80 (Regen) Tagen mit einer Schneedecke zu erwarten. Wintersport ist dort zwar möglich, aber keineswegs garantiert. In milden Winten liegen in den Tallagen unter 500 m kaum mehr als 20 cm Schnee.

Demgegenüber gibt es ab 600 m, wie z. B. in Zwiesel schon durchschnittlich 100 Tage mit Schnee und das mit oft bis über 50 cm Höhe.  In den höheren Lagen sind zwischen 120 und 160 Tagen mit einer Schneedecke zu erwarten. Als schneesicher gelten in Zeiten des Klimawandels die Lagen über 1000 m. Nicht selten werden dort in jedem Winter Schneehöhen von mehr als 2 Meter gemessen.

In den windschwachen Tallagen gibt es sowohl viele Frosttage, weil sich Kaltluft am Boden sammelt und nicht abfließen kann. Umgekehrt findet man an den selben Orten eine sehr hohe Anzahl an so genannten Sommertagen mit Maxima über 25 Grad C. Zwei Extrembeispiele sind aus den Medien wegen ihrer vielen Frosttage bekannt geworden: Haidmühle und Klingenbrunn-Bahnhof. An beiden Stationen stehen Wetterstation von meteomedia, welche diese Extreme schön dokumentierten. Jenseits der Grenze, in Horska Kvilda im Böhmerwald,  liegt in einem über 1000 m hoch gelegenen Tal wohl der absolute  Kältepol des Gebietes.

Das Gegenteil, ja sogar Weinbauklima findet man an den Südhängen rund um Wörth an der Donau. Aber auch im inneren des Bayerischen Waldes findet man in gewissen Gegenden mildes Klima vor. Beispiele hierfür sind das Regental von Viechtach bis Regen. Dieses Gebiet ist ebenso wie Schönberg in der Nähe von Grafenau im Volksmund als Meran des Bayerischen Waldes bekannt geworden.

Der äußerste Südosten des Bayerwaldes, genauer die Gegend um den Ort Sonnen bei Hauzenberg weist deutschlandweit mit die meisten Sonnenstunden auf.

Das Klima im Regental

Das Regental zwischen dem Ursprung in Tschechien und der Mündung des Flusses in Regensburg steht beispielhaft für die enorme Unterschiedlichkeit des Klimas.

Bereits auf engsten Raum gibt es enorme Unterschiede. Die beiden Städte Regen und Zwiesel liegen im südlichen Regental. Sie sind nur 10 Kilometer Luftlinie und nur gut 50 Höhenmeter im Schnitt voneinander entfernt. Dennoch gibt es in Zwiesel im Jahresmittel gut 20 Tage mehr mit Schnee. Im Gegenzug verzeichnet Regen etwa 15 Sommertage mehr (Tage mit über 25 Grad) und gut 150 mm weniger Niederschlag.

Das Klima in Regen und Zwiesel

Die folgenden Informationen basieren auf den Wetterbeobachtungen an meiner privaten Wetterstation Regen (1988 – 2010 – seit 2008 im Messnetz von Meteomedia) und den Aufzeichnungen der Station Zwieselberg (1971 – 2003, seitdem geschlossen). Die Daten aus Regen stammen aus den Jahren 1994 bis 1998 und wurden mithilfe der längeren Beobachtungsreihe aus Zwiesel korrigiert.

(1971 bis 2000)Regen (540 m ü NN)Zwiesel (648 m ü NN)
Jahr7.16.5
Januar-2.5-2.7
Februar-1.1-1.6
März2.71.9
April6.45.6
Mai12.011.3
Juni14.714.0
Juli16.615.8
August16.415.4
September12.011.4
Oktober7.56.8
November1.91.4
Dezember-1.2-1.5
Langjährige Durchschnittstemperaturen aus Regen (540 mm ü NN) und Zwieselberg (648 m ü NN)

Frosttage, Eistage und Sommertage in Regen

Mittlere Zahl der FrosttageMittlere Zahl der EistageMittlere Zahl der SommertageMittlere Zahl der heißen Tage
Januar26.69.4..
Februar22.43.0..
März21.00..
April15.2.1.0.
Mai2.4.4.40
Juni0.9.22.6
Juli..14.43.8
August..16.02.6
September0.8.2.2.
Oktober8.6.0.8.
November17.62.2..
Dezember25.08.2..
Jahr139.823.048.09.2

Niederschlag, Schnee und Bewölkung in Regen

Niederschlag/mmNiederschlagstageSchneedecke > 0 cmheitere Tagetrübe TageNebeltage
Jahr983.1182805315144
Januar64.013195177
Februar61.415184153
März93.618104142
April51.61424114
Mai71.513.572
Juni103.316.583
Juli106.416.5102
August96.714.762
September89.715.6116
Oktober78.21514145
November76.415101185
Dezember90.418202205
Niederschlagsmenge/mm, Tage mit Niederschlag, Tage mit einer Schneedecke, heitere und trübe Tage sowie Nebeltage in Regen

Ein Extremjahr 2003

Der Sommer 2003 ist vielen noch im Gedächtnis. Er war der heißeste, trockenste und ungewöhnlichste Sommer, den Deutschland je erlebt hat. Nur der Sommer 1983 war in Teilen Bayerns noch heißer.
Aber nicht nur der Sommer. Das gesamte Jahr 2003 war etwas besonderes. Betrachten Sie die Tabelle und vergleichen Sie mit den Mittelwerten. Daran können Sie ersehen, wie groß die Unterschiede zwischen MITTELWERT und Einzeljahr sind.

Minabs. MinMaxabs. MaxMittelETFTSTHTNds./mm
Jahr2.2-19.915.135.98.2191608130731.4
Januar-5.5-19.91.39.6-2.1102700121.0
Februar-10.8-17.24.515.0-4.04280035.4
März-2.0-6.511.720.24.10260018.9
April-0.5-8.615.127.17.10151020.1
Mai8.10.522.132.214.8008274.3
Juni12.36.327.032.819.50024794.6
Juli11.47.025.834.318.50016663.7
August12.57.229.435.920.700261424.0
September5.8-0.921.130.313.0016153.0
Oktober0.2-7.810.620.34.901500117.8
November-0.5-6.99.216.83.60180020.7
Dezember-4.7-18.13.49.5-1.35300087.9
Legende: ET = Eistage, FT = Frosttage, HT = heiße Tage, ST = Sommertage